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„Bückbürgertum“ von Ulf Poschardt – aufrechter Buchtipp für Freunde der Marktwirtschaft

Als Ursachen der aktuellen Wirtschaftskrise werden meist äußere Faktoren angeführt: hohe Energiepreise, geopolitische Konflikte, der zunehmende Protektionismus der USA, eine schwache Weltkonjunktur und die wachsende Konkurrenz chinesischer Industrieunternehmen.

In seinem neuen Buch „Bückbürgertum“ zeigt Ulf Poschardt jedoch auch schwerwiegende hausgemachte Ursachen für die anhaltende Wachstums- und Strukturkrise auf. Deutschlands besondere wirtschaftliche Schwäche ist für ihn nicht nur das Ergebnis ungünstiger Rahmenbedingungen, sondern Ergebnis einer längerfristigen politischen und kulturellen Selbstentmachtung des Bürgertums. Infolgedessen werden auch die bewährten Grundsätze der Sozialen Marktwirtschaft nicht ausreichend vermittelt und mit der nötigen Entschiedenheit eingefordert.

„Sich fügen heißt lügen!“ – das bekannte Zitat von Erich Mühsam auf der Buchrückseite

Während Poschardt im ersten Band seiner geplanten Trilogie, „Shitbürgertum“, vor allem linksliberale, staatsgläubige und wirtschaftsskeptische Milieus kritisierte, richtet sich „Bückbürgertum“ nun gegen Konservative, Liberale, Manager, Unternehmer und politische Entscheidungsträger.

Sein Vorwurf: Viele von ihnen hätten Maßnahmen mitgetragen, die ihren eigenen Überzeugungen von Marktwirtschaft, Technologieoffenheit und industrieller Wettbewerbsfähigkeit widersprachen. Der wirtschaftliche Niedergang werde deshalb nicht allein von politischen Gegnern verursacht, sondern auch von einer bürgerlichen Elite, die Konflikten ausweiche, sich anpasse und ihre eigenen Prinzipien nicht mehr entschieden vertrete.

Der „Bückbürger“ widerspricht nach Poschardts Darstellung nicht offen. Er fügt sich aus Karriereinteresse, Bequemlichkeit, Angst vor sozialer Ächtung oder aus dem Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung. Sicherheit, Regulierung und staatliche Absicherung bewertet er höher als Risiko, Unabhängigkeit und Selbstbehauptung.

Dadurch, so Poschardts These, gewinnen wirtschafts-, wettbewerbs- und reformfeindliche Tendenzen an Einfluss. Als Beispiele für dieses „Bücken“ nennt er unter anderem die Energie-, Klima- und Subventionspolitik. Im Zentrum seiner Kritik steht dabei weniger eine einzelne politische Entscheidung als die mangelnde Bereitschaft vieler Verantwortungsträger, Fehlentwicklungen klar zu benennen und ihnen öffentlich entgegenzutreten.

Unternehmerische Interessen vertreten – Gemeinwohl fördern

Poschardts Analyse lässt sich als Appell verstehen, gesellschaftliche Verantwortung nicht mit stiller Anpassung zu verwechseln. Wer Arbeitsplätze schafft, investiert, Innovationen vorantreibt und wirtschaftliche Risiken übernimmt, sollte seine Erfahrungen und Anliegen selbstbewusst einbringen. Ein Unternehmertum, das seine Interessen offen vertritt und zugleich das Gemeinwohl im Blick behält, trägt dazu bei, die gesellschaftliche Spaltung zu begrenzen und den Verlust von Wohlstand aufzuhalten.

Daraus lassen sich mehrere konkrete Handlungsempfehlungen ableiten:

Unternehmer sollten problematische Regulierungen und wirtschaftspolitische Fehlanreize benennen, anstatt ihre Kritik nur hinter verschlossenen Türen zu äußern. Ebenso wichtig ist es, in Verbänden, Netzwerken und regionalen Initiativen für unternehmerfreundliche Rahmenbedingungen einzutreten.

Nachhaltiger Erfolg von Gründerinnen und Gründer beginnt mit einer klaren Haltung. Geschäftsmodelle sollten nicht auf kurzfristige Förderprogramme oder politische Trends ausgerichtet sein, sondern auf langfristige Wettbewerbsfähigkeit und einen tatsächlichen Mehrwert für Kunden.

Das gilt ebenso für das Marketing. Glaubwürdige Unternehmen kommunizieren nicht opportunistisch, sondern authentisch. Sie erklären verständlich, wofür sie stehen, welchen Beitrag sie leisten und warum ihre Produkte oder Dienstleistungen relevant sind. Eine klare Positionierung schafft Vertrauen – bei Kunden, Beschäftigten und Geschäftspartnern.

Ein streitbarer und anregender gesellschaftskritischer Band

Ich bin von „Bückbürgertum“ besonders angetan. Die bewusst polemische Sprache, der unterhaltsame Wechsel zwischen unterschiedlichen Perspektiven – von Politik, Wirtschaft, Familie, Soziologie und Psychologie bis hin zu Mode, Kunst und Design – sowie der klare Appell, sich als Unternehmer aktiv, aufrecht und authentisch einzubringen, haben bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

„Bückbürgertum“ ist keine nüchterne wirtschaftswissenschaftliche Analyse, sondern ein streitbarer gesellschaftskritischer Essay. Gerade darin liegt seine Stärke: Das Buch provoziert, fordert zum Widerspruch heraus und regt dazu an, die eigene Haltung zu überprüfen.

Mein aufrichtiger Lesetipp!
Stefan Wildner, Schriftführer der FDP Fürth


Buchdaten

Ulf Poschardt: Bückbürgertum
Verlag: Westend
Erscheinungstermin: 15. Juni 2026
Umfang: 352 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3987913709
Preis: 27,00 €
Genre: Gesellschaftskritischer Essay